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 Biografie - Peter Straub

Copyright der Rezension 2016 by Bernd Jooß

Peter Straub wurde am 2. März 1943 geboren und wuchs mit zwei jüngeren Brüdern in Milwaukee, Wisconsin auf. Schon von klein auf war er ein wissbegieriger Junge, der sich das Lesen selbst beibrachte und den Nachbarskindern aus Comics vorlas. Mit sieben Jahren änderte sich sein Leben jedoch radikal. Straub war gerade auf dem Weg von der Schule nach Hause, als er durch Unachtsamkeit von einem Auto erfasst und schwer verletzt wurde. Er durchlebte eine Nahtoderfahrung und erlitt diverse Knochenbrüche, die einen langen Krankenhausaufenthalt und mehrere Operationen nach sich zogen. Für eine gewisse Zeit war er auf einen Rollstuhl angewiesen und er leidet seitdem an einem Stottern, das er nie ganz überwinden konnte.

Während seiner langen Genesungszeit stellte das Lesen, das Eintauchen in fremde Welten die einzige Möglichkeit für Straub dar, sich zumindest eine Zeitlang von den Schmerzen und Qualen abzulenken und so las er alles, was er in die Finger bekam: Romane, Abenteuergeschichten, Krimis und alle möglichen Spielarten der Phantastik. Später studierte er dann Englische Literatur, unter anderem an der renommierten Columbia University in New York. Für kurze Zeit arbeitete er als Englischlehrer, bevor er mit seiner Frau Susan, die er 1966 heiratete, nach Dublin, Irland zog, um dort an seiner Doktorarbeit über den Schriftsteller D. H. Lawrence („Lady Chatterly“) zu schreiben. Doch anstatt sich ernsthaft mit dem Thema auseinanderzusetzen, freundete er sich mit dem Schriftsteller Thomas Tessier an, der ihn eingehend mit der dunklen Phantastik vertraut machte, und schrieb Gedichte, die er in verschiedenen Kleinverlagen veröffentlichte.

1972 zog er nach London, wo er sich an seinem ersten Roman versuchte, „Die fremde Frau.“ Straub schickte das Manuskript an einen einzigen Verlag, der es auch tatsächlich veröffentlichte. Eine gänzlich unphantastische Geschichte, in der die Probleme eines verheirateten Paares skizziert werden und die stark an Straubs damalige Vorbilder D. H. Lawrence und Henry James angelegt war. Der Erfolg war nur mäßig, weshalb der Verlag sein zweites Manuskript „Das geheimnisvolle Mädchen“, das eine ähnliche Thematik aufweist, ablehnte. Aus diesem Grund versuchte Straub etwas Zeitgenössischeres zu schreiben und verfasste „Julia“, seinen ersten unheimlichen Roman, der ihm prompt erste Aufmerksamkeit einbrachte, unter anderem die von Stephen King. Dieser feierte selbst gerade erste Erfolge mit „Carrie“ und „Brennen muss Salem“ und schrieb eine sehr wohlwollende Rezension über Straubs Buch.

1977 folgte „Wenn du wüsstest“, eine trickreiche Rache- und Geistergeschichte, die ebenfalls ein rentabler Erfolg wurde und wieder schrieb King eine lobende Besprechung. Darauf beschloss Straub, sich ein Buch von King zu kaufen, von dem er bisher noch nichts gelesen hatte, und war schlicht begeistert. Straub schrieb King, um sich für die wohlwollenden Worte zu bedanken und seine eigene Begeisterung kundzutun. Schnell entstand ein reger Austausch.

Ende der siebziger Jahre wollte die Familie King für mindestens ein Jahr nach London übersiedeln, doch wenngleich aus diesem Vorhaben letztlich nur wenige Monate wurden, so lernten sich Stephen King und Peter Straub endlich persönlich kennen. Das war der Anfang einer engen Freundschaft, die bis heute anhält und Einfluss auf ihr jeweiliges Schreiben genommen hat.

1979 erschien dann Peter Straubs „Geisterstunde“, wohl sein bis heute bekanntestes Buch. Es war ein weltweiter Bestseller und wurde sogar mit so illustren Schauspielern wie Fred Astaire und Melvyn Douglas verfilmt. Der Roman hob, wie die Bücher von Stephen King, das Genre auf ein neues Niveau und erweiterte es zugleich auf eindrucksvolle Weise. Es erzählt eine Geistergeschichte auf gänzlich neue Art und bietet zudem ein Panoptikum an Grauen, in dem alle möglichen Schreckensgestalten vorkommen. Wie häufig bei Straub, spielen auch hier Geheimnisse und eine verdrängte Vergangenheit, die bis in die Gegenwart hineinwirkt, eine große Rolle. Während King den Horror in unseren Alltag holt, so dass wir nirgends vor ihm sicher sein können, so lotet Straub die psychologische Seite aus, das Unbewusste und Verdrängte und steht damit in der Tradition von Edgar Allen Poe und Shirley Jackson. Aber auch seine große Liebe zu Jazz schlägt sich regelmäßig in seinen Geschichten nieder, sowohl inhaltlich als auch stilistisch.

In rascher Folge erschienen nun „Schattenland“, „Der Haus des Drachen“ und die erste Zusammenarbeit mit Stephen King „Der Talisman“, alles große Erfolge. Danach legte Straub, der mit seiner Familie inzwischen wieder in die USA zurückgekehrt ist, eine längere Pause ein, und meldete sich erst 1988 mit dem Buch „Koko“ fulminant zurück. Der Roman stellt einen Wendepunkt in Straubs Karriere dar. Er konnte seinen ohnehin ausgefeilten Schreibstil noch einmal verfeinern, während er das Phantastische auf ein Minimum beschränkte. Das Buch war ein großer Bestseller und ebnete zusammen mit Thomas Harris‘ „Das Schweigen der Lämmer“ den Weg für den psychologischen Serienkillerroman. Es folgten „Mystery“ und „Der Schlund“, die zusammen die sogenannte Blaue-Rosie-Trilogie bilden. Darin behandelt Straub die Themen, wie aus Menschen Monstern werden, welchen Einfluss Traumata und Gewalt auf uns haben können und welche Abgründe in uns lauern.

Nach dieser Mammut-Aufgabe verringerte sich sein Schreibpensum und so erschienen in immer größeren Abständen neue Romane. „Reise in die Nacht - Hellfire Club“ und „Mr. X“ konnten zudem nicht mehr an seine früheren Erfolge anknüpfen und wirken allgemein ein wenig bemüht. Gleichzeitig betätigte er sich jedoch vermehrt als Herausgeber von Anthologien, wie die für das Genre wegweisenden „New Wave Fabulists“ und „Poe’s Children – The New Horror“ sowie für die zweibändige Sammlung „American Fantastic Tales.“

Erst die neuerliche Zusammenarbeit mit Stephen King an „Das Schwarze Haus“ bescherte Straub 2001 wieder einen großen Bestseller und verlieh ihm zudem neuen Schwung. Das Buch, welches er danach schrieb, „Haus der blinden Fenster“, ist eines seiner besten und gewann so gut wie alle wichtigen Genre-Preise. Bereits ein Jahr später erschien „Schattenstimmen“ eine Art Fortsetzung von „Haus der blinden Fenster“, die aber zugleich die Geschehnisse von diesem in ein neues Licht rücken. Danach dauert es fast sechs Jahre, bis Straub 2010 „Okkult“ veröffentlichte, in dem er was gänzlich Neues versuchte. Aus wechselten Perspektiven und Zeitebenen erzählt er immer wieder die gleichen Ereignisse rundum ein okkultische Ritual, das völlig anders verlief als erwartet und alle seine Teilnehmer gezeichnet hat. Wenngleich der Roman auf ein sehr geteiltes Echo stieß, landete es wieder unter den Top 20 der New-York-Times-Bestseller-Liste. In den sechs Jahren danach veröffentlichte Straub lediglich eine Auswahl seiner besten Erzählung im dem Band „Interior Darkness.“ Momentan schreibt er an einem neuen Roman, nach dessen Fertigstellung eine dritte Zusammenarbeit mit Stephen King rundum ihren Romanhelden Jack Sawyer geplant ist.

Peter Straub hat fast alles wichtige Genre-Preise mehrmals gewonnen, er wurde unter anderem 1998 zum Grand Master auf der World Horror Convention ernannt, erhielt 2008 den Barnes and Noble Writers for Writers Award, der für besondere Dienste um die Literatur vergeben wird, und wurde 2012 bei der World Fantasy Convention für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Zurzeit lebt Straub in Brooklyn, New York, er hat eine Tochter, Emma (ebenfalls eine erfolgreiche Schriftstellerin) und einen Sohn, Benjamin. Er ist sowohl auf Facebook als auch auf Twitter aktiv. Der Großteil seiner Bücher und Erzählungsbände wurden ins Deutsche übersetzt und erschienen im Heyne Verlag.

 

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