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Maïssa Bey

Ausgeblendet

 
Rezension © 2020 by Martin Wagner für BookOla.de
Genre: Historik
Sprache: Deutsch
Verlag: Donata Kinzelbach
Publikationsjahr: 2011
Autor: Maïssa Bey
Übersetzung: Christine Belakhdar
Titelbild/Illustrationen: www.picup.ch (beat albrecht)
Umfang: 88 Seiten
Bindung: Hardcover
Preis: 16,00 €
ISBN-13: 978-3942490061
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Kurzbeschreibung
Eine Zugfahrt nach Marseille wird eine Reise zur Wahrheit über den Algerienkrieg. Im Abteil konfrontiert sind ein älterer Franzose, eine Algerierin, die wegen des Bürgerkriegs in ihrer Heimat in Frankreich lebt, und ein junges Mädchen, Tochter von Algerien-Franzosen, die ihr gegenüber den Unabhängig-keitskrieg stets totschwiegen. Die Gespräche führen zurück ins Jahr 1957. Der Vater der Algerierin stirbt unter der Folter der Franzosen. Der ältere Herr dient als Rekrut am Ort dieser Grau-samkeiten. Man hatte das alles ausgeblendet. Aber die Tatsa-chen sind stärker, werden bedrängend. Ein Bericht von höchster Intensität, frei von Rachegedanken. Das Buch ist ein wichtiges Dokument humaner Gesinnung.

Meine Meinung:

Der Algerienkrieg ist ein Krieg den viele Franzosen gerne für immer vergessen würden. Die ehemalige Kolonie und das brutale Vorgehen der Soldaten in den Zeiten der Unabhängigkeitsbestrebungen sind eine der dunkelsten Stunden des Frankreichs der Moderne.

Es gibt einige Bücher über das Thema, Maïssa Bey wollte in „Ausgeblendet“ aber weder eine weiteres wissenschaftliches Buch zum Thema schreiben, noch wollte sie auch nur einen Gedanken an Rache aufkommen lassen, weshalb die gesamte Handlung in einem Zug stattfindet und ein intensives Gespräch zwischen drei Personen mit vielen Erinnerungen beschrieben wird. Erschienen ist das Buch in deutsch, als zweites überhaupt, beim Donata Kinzelbach Verlag.

Die erwähnte Zugfahrt geht nach Marseille und drei namentlich nicht vorgestellte Personen, eine Algerierin, ein älterer Franzose, der im Algerienkrieg ein Rekrut war, und eine junge Frau, die Enkelin von Algerienfranzosen, teilen sich ein Abteil. Schnell dreht sich das Gespräch um den Krieg im Jahr 1957. Die Algerierin erinnert sich an ihren Vater, der unter der Folter der Franzosen starb, der Rekrut schiebt alles auf fehlende Erinnerungen und das junge Mädchen lauscht schweigend der Geschichte ihrer Familie. Trauer, Enttäuschung und Verdrängung sind das Leitbild, Wut und Rachegedanken bleiben außen vor. Und am Ende, ja am Ende, kommt die Erinnerung zurück, ohne Entschuldigung auf der einen und ohne Verzeihen auf der anderen Seite. Ein Anhang mit Quellen zum Hintergrund und ein passendes Nachwort der Übersetzerin runden das Buch ab.

Ein starkes Buch, einer starken Frau. Ein weiteres Buch, welches das Herz der arabischen Welt offenlegt und viele Probleme ans Licht bringt, die teilweise bis heute in den Köpfen sind. Auch wenn man sich gut in die drei Personen des Buches hineinversetzen kann, ist es doch insgesamt schwere Kost. Dafür sorgen die Gedankensprünge, das Layout und die Art und Weise der Darbietung. Man wird belohnt, wenn man es durchhält, es wird aber nicht jedem gelingen. Auch der Preis wird viele abschrecken. 16 Euro für 88 Seiten ist schon happig, wobei man natürlich bedenken muss, dass ein kleiner Verlag in geringerer Stückzahl drucken lässt und Übersetzung und Lektorat auch seinen Preis hat. Dennoch verbleibe ich skeptisch. Nur ein kleiner Kreis wird dieses Buch lesen, obwohl es mehr Leute interessieren sollte.

Fazit:

Ausgeblendet ist ein Buch ohne Hass auf schlimmste Verbrecher. Geschickt entwickelt sich ein Gespräch über den Algerienkrieg und Opfer und Täter müssen das aushalten. Das ist gewollt und gelingt, obwohl der Stil es schwer macht, immer zu folgen. Auch der Preis schreckt ab und so wird das Buch wohl, obgleich historisch und human wertvoll, nicht in vielen Bücherschränken stehen.

 

448 Seiten € 9,99 [D]
Übersetzung: Uta Hege
Broschur
€ 9,99 [D], € 10,30 [A], sFr 13,90
ISBN-13: 9783548284620
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