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Stephen King
Nachtschicht

Buch-Rezension ©2005 by O. Materne

Diese Kurzgeschichten-Sammlung entstammt noch den Siebzigern und präsentiert viele gelungene, wenige mäßige und einige schlechte Stories. Unabhängig von ihrer sicherlich vorhandenen Qualität muss man der „Frau im Zimmer“ sowie der „Letzten Sprosse“ ihre Existenzberechtigung in diesem Buch absprechen, denn bei allen anderen Beiträgen handelt es sich um Horrorstories, und das sind die beiden genannten nicht. Beide Stories handeln von familiären Problemen und verdrängten Schuldgefühlen.

Begonnen wird nach einem schönen Vorwort mit der altertümlich erzählten Story „Briefen aus Jerusalem“. Vieles bleibt unklar, aber unterm Strich steht eine interessante und spannende, sogar etwas längere Geschichte über den Besitzer eines Spukschlösschens, das er von seinen Verwandten geerbt hat. Dann folgt die eher konventionelle und ziemlich kurze Story „Spätschicht“, die unter dem Namen „Nachtschicht“ verfilmt wurde. Es geht um ein Heer von Arbeitern, das Bekanntschaft mit riesigen Ratten macht. Ein Arbeiter nutzt die Gelegenheit, um mit seinem Chef abzurechnen, dem er übel nimmt, dass er ihn „Student“ nennt – das ist schon der gesamte Plot.

Eine schöne Endzeit-Stimmung strahlt „Nächtliche Brandung“ aus, das sicher zu den Highlights des Buches zählt: Eine Gruppe von Teenagern bemüht sich um krampfhafte Fröhlichkeit am Strand und begeht mal eben einen Mord an einem Todkranken, derweil eine tödliche Seuche die Erdbevölkerung dahin rafft. Eine merkwürdige, nicht völlig schlechte Geschichte stellt „Ich bin das Tor“ dar: Ein ehemaliger Astronaut kränkelt und sieht die Welt aus der Sicht der Außerirdischen, deren Augen aus seinem Körper zu wachsen beginnen. Soliden Spuk bieten „Graue Masse“ und „Das Schreckgespenst“. Geht es in der erstgenannten Story um einen Mann, der sich durch exzessiven Dosenbierkonsum langsam zu einem Monster entwickelt, dreht es sich beim „Schreckgespenst“ um einen verhängnisvollen Psychiater-Besuch, bei dem ein Mann voller Schuldgefühle und Neurosen vom gewaltsamen Tod seiner drei Kinder berichtet - trotz eher dünner Handlung bis heute eine von Kings gruseligsten Geschichten.

Hervorgehoben werden muss „Der Mann, der Blumen liebte“ mit seiner lakonischen Pointe. Wie der Titel bereits verrät, geht es um einen Mann, der Blumen liebte, vielleicht die romantischste Story, die King je geschrieben hat. Auch „Erdbeerfrühling“, eine Geschichte über einen Mörder an einer Universität, überzeugt mit ihrem distanzierten Ich-Erzähler, der am Ende noch eine große Überraschung auf Lager hat. „Der Mauervorsprung“ erinnert – wie auch „Quitters Inc.“ - in positiver Hinsicht an Roald Dahl und zeigt den Horror des Alltäglichen anhand der Wette, den Vorsprung eines Hochhauses zu umlaufen. Es kann kaum ein Zufall sein, dass die beiden letztgenannten Stories im Episodenfilm „Katzenauge“ vorkamen. Bei dem ebenfalls passablen „Quitters Inc.“ gerät ein Mann, der sich das Rauchen abgewöhnen will, an ein Unternehmen mit merkwürdigen Methoden.

Eher mittelprächtig geben sich „Einen auf den Weg“, eine Vampirgeschichte, die im tiefen Schnee spielt, und „Manchmal kommen sie wieder“, das von einem Lehrer mit düsteren Erinnerungen an die Ermordung seines Bruders handelt. Auch „Schlachtfeld“ mit einer lebendig gewordenen Armee von Spielzeugsoldaten reiht sich ein ins Mittelmaß.

Zu den Schwachpunkten zählen die recht langweiligen „Lastwagen“ (der Titel entspricht der Handlung), der alberne „Wäschemangler“ und die konventionellen „Kinder des Mais“. Der nicht erwähnte Rest („Ich weiß, was du brauchst“ oder „Der Rasenmähermann“) ist nicht der Rede wert.

Als Fazit bleibt, dass King hier zwar noch nicht sein späteres Genie ausspielte, aber sein Talent und seine Vielseitigkeit demonstrierte, auch wenn er später sicherlich anspruchsvollere Stories schrieb.

Wertung: 7 von 10 Punkten

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