Cookies sind für die korrekte Funktionsweise einer Website wichtig. Um Ihnen eine angenehmere Erfahrung zu bieten, nutzen wir Cookies zum Speichern Ihrer Anmeldedaten, um für sichere Anmeldung zu sorgen, um statistische Daten zur Optimierung der Website-Funktionen zu erheben und um Ihnen Inhalt bereitzustellen, der auf Ihre Interessen zugeschnitten ist. Klicken Sie auf „Stimme zu und fortfahren“, um Cookies zu akzeptieren und direkt zur Website weiter zu navigieren.
Header1.jpg
Stephen King
Zwischen Nacht und Dunkel
Rezension © 2010 by Gerald Schnellbach für BookOla.de
Zwischen Nacht und Dunkel
Originaltitel: Full Dark, No Stars
Originalverlag: Scribner
Übersetzung: Wulf Bergner
Hardcover, 528 Seiten
ISBN: 978-3-453-26699-5
€ 19,99 [D] | € 20,60 [A] | CHF 33,90
Verlag: Heyne

Kurzbeschreibung

Stephen King gilt als größter Geschichtenerzähler unserer Zeit. Nun legt er vier große Novellen vor, die alle ein Thema haben: Vergeltung! Ob als Täter oder Opfer, unschuldig oder schuldig, durch Schicksal oder Absicht – wir kommen in Situationen, die uns eine Entscheidung abverlangen: Wie weit muss ich gehen, bis mir Gerechtigkeit widerfährt? Manchmal muss man sehr weit gehen ...

Meine Meinung:

Von Stephen King, einem der weltweit erfolgreichsten Autoren, kennt man in erster Linie seine Romane. Das er auch „kürzer“, aber nicht minder spannend, schreiben kann, beweist er immer wieder durch seine Kurzgeschichten- und Novellensammlungen. 1982 (dt. 1984) erschien mit „Different Seasons“ (dt. „Frühling, Sommer, Herbst und Tod“) seine erste und 1990 mit „Four Past Midnight“ (in Deutschland seltsamerweise in zwei Büchern veröffentlicht: „Nachts“ und „Langoliers“) seine zweite Novellensammlung. Nun liegt mit „Full Dark, No Stars“ (dt. „Zwischen Nacht und Dunkel“) seine nunmehr dritte Novellensammlung vor. Auch sie beinhaltet wieder vier schaurig-schöne Geschichten aus der Hand des „Meisters“:

1922 – Wilfred James wohnt zusammen mit seiner Frau Arlette und seinem Sohn Henry auf einer Farm in Hemingford Home, Nebraska (dem King-Kenner aus „The Stand“ bekannt). Die Farm wirft zwar nicht allzu viel ab, aber man kommt so über die Runden. Allerdings ist die Ehe von Wilfred und Arlette nicht gerade die glücklichste. Als aber Arlette einige Hektar Land, die ihr von ihrem Vater vermacht wurden, an einen Großbetrieb verkaufen will, wird ihr Verhältnis zueinander stetig schlechter. Wilfred fasst einen teuflischen Plan. Er bringt nach und nach seinen Sohn auf seine Seite und irgendwann beschließen beide, die ungeliebte Frau bzw. Mutter zu ermorden und ihre Leiche in einem alten, stillgelegten Brunnen zu „entsorgen“. Aber damit fangen die Probleme erst richtig an. Zwar kann Wilfred den Verkauf dadurch verhindern, aber glücklich wird er auch nicht. Eigentlich nie mehr. Sein Sohn verändert sich zusehends, die Wirtschaftkrise der 20er Jahre kommt in großen Schritten, und dann wären da noch die Ratten. Die, die ursprünglich in dem alten Brunnen hausten. Aber nun scheinen sie diesen verlassen zu haben, um Wilfred das Leben schwer zu machen. Immer mehr hält das Grauen Einzug in Wilfreds Leben.

Big Driver –  Die Autorin Tess Jean befindet sich auf der Rückfahrt von einer Buchlesung und nimmt dabei eine Abkürzung, die ihr ganzes Leben verändern soll. Nachdem sie einen Platten hat, kommt ihr auf einer abgelegen, kaum noch befahrenen Straße ein Mann zu Hilfe. Zumindest glaubt sie das zunächst. Solange, bis sie von ihm brutal vergewaltigt wird. Nach der Vergewaltigung wird sie in einer alten Abwasserröhre abgelegt, im Glauben, sie sei tot. Aber sie hat das Martyrium überlebt und schafft es wieder nach Hause. Was soll sie tun? Nach reiflicher Überlegung kommt sie zu dem Schluss, nicht zur Polizei zu gehen und sich der Sache mittels Waffengewalt selbst anzunehmen. Schließlich weiß sie auch, dass sie nicht das erste Opfer war und weiß Gott, wie viele noch folgen werden, wenn sie den Mann nicht zur Strecke bringt. Nach diversen Recherchen muss sie auch noch feststellen, dass ihr Vergewaltiger möglicherweise sogar einen Mittäter hatte. War das alles ein abgekartetes Spiel, bei dem sie die Hauptrolle inne hatte? Sie weiß, dass ihr keine andere Wahl bleibt. Sie muss noch einmal da hinaus und muss den Mann stellen.

Faire Verlängerung – Der an Krebs leidende Dave Streeter trifft an einer Verkaufsbude am Straßenrand auf Georg Elvid. Dieser verkauft, wie er sagt, alle möglichen Verlängerungen. Da für Streeter eine Haarverlängerung nicht relevant ist, kommt für den Todkranken nur eine Lebensverlängerung in Frage. Nach kurzem Überlegen nimmt er das Angebot an, obwohl er zuerst nicht daran glaubt. Der Preis ist seiner Meinung nach akzeptabel. Aber Elvid teilt ihm auch mit, dass sein Glück automatisch das Unglück eines anderen nach sich zieht. Alles muss im Gleichgewicht bleiben. Schon kurze Zeit später stellt Streeter fest, dass sich sein Gesundheitszustand bessert. Mit wem hat er da ein Geschäft abgeschlossen, war es etwa der Teufel persönlich (Elvid = Devil)? Und vor allem, wen hat er durch diesen Handel ins Unglück gestürzt?

Eine gute Ehe – Darcy Anderson und ihr Mann führen seit über zwanzig Jahren eine gute Ehe. Bis zu dem Tag, als ihr Mann auf Geschäftsreise ist und sie in der Garage zufällig über ein Geheimversteck ihres Mannes stolpert. Nach und nach kommt sie der schockierenden Wahrheit auf die Spur. Ihr Mann ist nicht der liebevolle Mann und Vater, für den sie ihn immer hielt. Nein, er ist ein Monster. Wie kann sie mit diesem Wissen weiterleben und eine gute Ehe vortäuschen? Schnell kommt sie zu dem Schluss, dass sie das weder kann noch will. Nur was tun? Vor allem, um sie und ihre Kinder aus dem ganzen Schlamassel, der folgen könnte, herauszuhalten. Die Polizei kommt also nicht in Frage. Bleibt nur eine andere Lösung. Aber welche?

Wieder einmal zeigt sich Stephen King als meisterhafter Geschichtenerzähler. Auch in seiner dritte Novellensammlung, mit den darin enthaltenen vier Novellen (wobei „Faire Verlängerung“ vom Umfang her eher als Kurzgeschichte einzustufen ist), läuft er zur Hochform auf. Perfekt ausgearbeitet Charaktere (was bei der Länge der einzelnen Geschichten erst einmal zu bewältigen ist) in Geschichten, die so spannend sind, dass die erste Verfilmung sicher nicht lange auf sich warten lässt. Vor allem die ersten beiden Geschichten bieten sich hierzu förmlich an. Bei der zweiten und der vierten Geschichte verzichtet King völlig auf den übernatürlichen Aspekt und bei der ersten liegt es wohl im Auge des Betrachters, ob es hier etwas übernatürliches gibt oder nicht. Das Wort „Rache“ zieht sich wie ein roter Faden durch alle vier Geschichten, wenngleich aus den verschiedensten Beweggründen. Oft ertappt man sich selbst bei der Frage: Wie würde ich reagieren? Was würde ich machen? Wie weit würde ich gehen? „Zwischen Nacht und Dunkel“ ist ein Buch, dass nicht nur den King-Fan und Dauerleser ansprechen wird. Auch Fans anderer Genres dürften hier auf ihre Kosten kommen. King hat wieder einmal gehalten, was der Name verspricht, spannende Unterhaltung von der ersten bis zur letzten Seite. Kurzweile vorprogrammiert, zeigt sich hier wieder einmal, warum ihn seine Fans den „Meister“ nennen.

 

Copyright 2019 by www.BookOla.de
Joomla templates by a4joomla