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Daniel Woodrell
Winters Knochen
Rezension © 2012 by Gerald Schnellbach für BookOla.de
Daniel Woodrell: Winters Knochen
Originaltitel: Winter's Bone
Originalverlag: Liebeskind
Übersetzung: Peter Torberg
Taschenbuch, Broschur, 240 Seiten
ISBN: 978-3-453-43645-9
€ 8,99 [D] | € 9,30 [A] | CHF 13,50
Heyne Verlag

Kurzbeschreibung

Ein eiskalter Winter in Missouri. Dort lebt die 16-jährige Ree Dolly und kümmert sich um ihre beiden jüngeren Brüder, seit die Mutter psychisch erkrankt ist. Ihr Vater verdient sein Geld mit Drogengeschäften. Dann erfährt Ree vom Sheriff, dass ihr Vater nicht zum angesetzten Gerichtstermin erschienen ist. Sollte er nicht innerhalb einer Woche auftauchen, verliert die Familie das Dach über dem Kopf. Damit bleiben Ree sieben Tage, um ihren Vater zu finden. Tot oder lebendig.

Meine Meinung:
Winters Knochen ist ein Kurzroman des 1953 in Missouri geborenen Autors Daniel Woodrell. Er handelt von der sechzehnjährigen Ree Dolly, die in einer ländlichen, waldreichen Gegend in Missouri aufwächst, einer unwirtlichen, rauen Ecke der Vereinigten Staaten. Wenn ihr Vater mal wieder nicht zuhause ist, kümmert sie sich um ihre kranke Mutter und ihre beiden jüngeren Brüder. Bis zu dem Tag, an dem die Geschichte beginnt, denkt sie sich nichts dabei, wenn ihr Vater mal wieder eine Zeit lang verschwunden ist. Dies kommt öfter vor, wenn er mal wieder in dubiose Geschäfte verstrickt ist. Rees Vater verdient sein Geld mit der Herstellung von Meth. Überhaupt sind viele Personen und Familien in dieser Gegend in Drogengeschäfte verwickelt. Als eines Tages der Sheriff bei ihr vorbeischaut und ihr mitteilt, dass ihr Vater nicht zu einem Gerichtstermin erschienen ist, ändert sich jedoch alles. Da er  den gesamten Besitz der Familie als Kaution hinterlegt hat, verliert die Familie alles was sie noch hat, sollte er nicht binnen einer Woche vor Gericht erscheinen. Für Ree beginnt ein Wettlauf mit der Zeit. Sie muss ihren Vater unbedingt finden. Doch überall, wo sie nachfragt, stößt sie auf eine Mauer des Schweigens. Irgendwie kommt ihr es vor als ob alle, die sie fragt, etwas wissen, nur sie nicht.

Winters Knochen erzählt von einer Gegend, in der jeder mit jedem irgendwie verwandt zu sein scheint, in der Fremde und Einwohner der nahegelegenen Stadt nicht erwünscht sind und in der der Lebenslauf einer Person schon mit der Wahl des Vornamens vorbestimmt scheint. Auf den ersten Blick herrscht ein starker Zusammenhalt innerhalb des riesigen Clans, aber der Schein trügt. Das muss Ree schneller als ihr lieb ist erkennen.

Auch wenn die Dollys keine aktuellen Opfer der Wirtschaftskrise sind, zeichnet der Autor ein Bild eines anderen Amerika, in dem immer mehr Menschen in ärmlichen Verhältnissen leben müssen, so wie Ree oder in der stetig wachsenden Zahl der Trailerparks. Ein Amerika, in dem viele ihre Ideale längst verloren haben. Der Autor legt viel Wert auf die Beschreibung der Gegend und der Lebensumstände, in denen die Protagonisten leben. Dies gelingt ihm sehr eindrucksvoll.

Winters Knochen ist ein trister, ein trostloser Roman (nicht negativ gemeint), mal melancholisch und mal knallhart und voller Wut. Ein Roman mit einer sehr eindrucksvoll gezeichneten, starken jungen Frau, die nicht alles mitmacht, um dem zu entfliehen, die keinen für die Verhältnisse anklagt, in denen sie lebt, die jedoch versucht das wenige, das sie hat zu verteidigen.

Unter dem Originaltitel „Winters Bone“ wurde das Buch übrigens mit der “Tribute von Panem“-Darstellerin Jennifer Lawrence verfilmt, die für ihre Verkörperung der Ree Dolly eine Oscar-Nominierung erhielt.

Winters Knochen ist eine bewegende Erzählung für zwischendurch, allerdings keine Sommerurlaubslektüre, eher was für den Spätherbst oder den Winter. Bonjour Tristesse!

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