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Versuchung
David Baldacci

 

Rezension von Eva Schuster für BookOla.de

 

Der Roman erschien im Jahr 2000 im Lübbe-Verlag. Der Originaltitel lautet: "The Winner".
Die Taschenbuchausgabe umfasst 637 Seiten.
ISBN-Nr: 3404143485

Über den Autor:

David Baldacci wurde 1960 in Virginia geboren. Nach seinem Studium der Politikwissenschaften und Jura arbeitete er neun Jahre lang in Washington als Strafverteidiger und Wirtschaftsjurist, ehe er sich als Autor etablierte. Bereits sein erster Roman "Der Präsident" wurde zum Bestseller. Clint Eastwood verfilmte das Werk unter dem Titel "Absolute Power".
Weitere Werke sind: "Die Wahrheit", "Die Verschwörung", "Das Versprechen", "Das Labyrinth", "Das Geschenk" und "Der Abgrund".
David Baldacci lebt mit seiner Familie in Virginia.


Inhalt:

Die zwanzigjährige LuAnn lebt in einem Kaff in Georgia in miserablen Verhältnissen. Ihr Zuhause ist ein schäbiger Wohnwagen, ihr Lebengefährte und Vater ihrer Tochter ein arbeitsscheuer Nichtsnutz, der sein Heil in Alkohol und Affären sucht und ihre Eltern sind tot. Um sich über Wasser zu halten, arbeitet LuAnn als Kellnerin in einer Fernfahrerkneipe. Ihr ganzes Glück gehört ihrer kleinen Tochter Lisa, der sie eines Tages eine bessere Zukunft bieten möchte.

Da erhält LuAnn ein Angebot, das ihr den Atem verschlägt: Ein Mann namens Jackson verspricht ihr, sie zur Hauptgewinnerin des monatlichen Jackpots zu machen. LuAnn glaubt zunächst an einen schlechten Scherz. Doch Jackson belehrt sie eines Besseren, als er ihr unmittelbar vor der aktuellen Ziehung die korrekten Lottozahlen nennt. Da begreift LuAnn, dass das Angebot ernst gemeint ist, auch wenn der undurchsichtige Jackson mit keiner Silbe verrät, wie er davon profitieren wird. Zwei Tage hat sie Zeit, sich dafür oder dagegen zu entscheiden.

Die junge Frau ist hin- und hergerissen. Einerseits ist die Versuchung unglaublich groß, andererseits fürchtet sie die Konsequenzen. Soll sie sich auf diese kriminellen Machenschaften einlassen? Was ist besser für ihre Tochter Lisa - ein Leben in Armut oder ein Leben in Angst vor der Wahrheit und den möglichen Konsequenzen?

*

Die Entscheidung wird LuAnn kurz darauf abgenommen, als sie im Wohnwagen ihren Lebensgefährten Duane erstochen vorfindet, der offenbar in Drogengeschäfte verwickelt war. Im letzten Moment kann sie den Angriff eines Unbekannten abwehren, streckt ihn nieder und flieht. Sie nimmt Jacksons Angebot an und reist sofort nach New York, wo die Ziehung stattfindet.

Dort wird sie im Auftrag von Jackson von "Charlie" betreut. LuAnn fasst schnell Vertrauen zu dem Mann in den Fünfzigern, hinter dessen respekteinflößender Footballerstatur ein sensibler Charakter steckt.

Jacksons Plan geht auf und LuAnn gewinnt 100 Millionen Dollar. Doch schon am nächsten Tag gerät das Unternehmen außer Kontrolle, als sich ein Erpresser meldet. Ein Unbekannter will LuAnn den Mord an ihrem Lebensgefährten und ihrem Angreifer anhängen. Jackson muss umdisponieren. Er verlangt von LuAnn, das Land zu verlassen und nie mehr in die USA zurückzukehren. Gemeinsam mit ihrem väterlichen Freund Charlie und ihrer Tochter begibt sich LuAnn, die von nun an den Namen Catherine Savage trägt, auf eine Odysee durch alle Kontinente ...

*

Zehn Jahre später haben LuAnn, Charlie und Lisa fast die ganze Welt bereist. LuAnn hofft, dass über ihren Fall inzwischen Gras gewachsen ist und dass auch Jackson sie aus den Augen verloren hat. Sie kehren in die USA zurück und lassen sich auf ein abgeschiedene Anwesen in Charlottesville nieder. Doch LuAnn hat Jackson unterschätzt ...

Doch nicht nur er, auch ein Journalist, der eine heiße Story wittert, kommt LuAnn auf die Schliche. Und dann ist da noch Matt Riggs, ein Bauunternehmer, der zufällig in die Geschehnisse verwickelt wird. Kann LuAnn ihm trauen? - Für die junge Frau beginnt ein Kampf um Leben und Tod gegen einen scheinbar übermächtigen Gegner um ihre Tochter, ihr persönliches Glück und ihre Liebe ...


Bewertung:

David Baldacci wird gern mit John Grisham in einem Atemzug genannt. Zu Recht, denn Baldacci versteht es bestens, die Leser zu fesseln. Und so ist auch "Die Versuchung" Spannungsliteratur vom Feinsten. Die fast 650 Seiten lesen sich in einem Rutsch - einmal angefangen, kann man sich dem Sog des Romans kaum mehr entziehen.

Da ist zunächst einmal die Story, die sich so knapp zusammenfassen lässt und die trotzdem ein enormes Spannungspotential birgt: Arme Frau bekommt 100 Millionen Dollar. Doch zu welchem Preis? - Ebenso wie die Hauptfigur LuAnn grübelt der Leser, was sich hinter diesem außergewöhnlichen Angebot verbergen mag. Ganz allmählich steigt man hinter die Machenschaften des Organisators Jackson - und ahnt, dass sich LuAnn in höchster Gefahr befindet.

*

Mit ihrer Person als Hauptfigur ist Baldacci ein Glücksgriff gelungen. Es ist kaum vorstellbar, dass ihr Schicksal einen Leser kalt lässt. Stattdessen hat die junge Frau von Beginn an die Sympathien auf ihrer Seite. Trotz ihres überaus harten Schicksals meistert sie ihr Leben so gut es geht und stellt dabei die Bedürfnisse ihrer kleinen Tochter stets an erster Stelle. Mit erst zwanzig Jahren hat sie bereits mehr gesehen und erlitten als viele andere Menschen im Verlauf ihres ganzen Lebens. Ihre Eltern sind tot, ihr Lebengefährte ist ein Versager, den sie regelmäßig mit anderen Frauen im Bett erwischt. Ohne Geld und ohne Perspektive schlägt sie sich mehr schlecht als recht durchs Leben.
Dabei wird sie glücklicherweise nicht als Heilige dargestellt. LuAnn ist kein duldsames Schäfchen, das alles Leiden stillschweigend erträgt. Sie ist eine starke Frau, die um ihrer Tochter Willen beschlossen hat, niemals aufzugeben und die dafür auch über ihre eigenen Grenzen zu gehen bereit ist. So erzählt sie einen Erpresser, der ihr mit einer Pistole droht, von einem Erlebnis aus ihrer Heimat, als ein farbiger Mann, der eine weiße Frau belästigt haben sollte, von den Männern ihres Dorfes grausam gelyncht und kastriert wurd. Vermutlich war unter den Angreifern auch LuAnns eigener Vater. Nicht nur der Erpresser, sondern auch der Leser begreift nach diesem Erlebnis, dass eine Pistole wahrlich nicht ist, womit man diese junge Frau noch schockieren könnte.

Auch LuAnns ständiger Begleiter Charlie wird schnell zu einem Sympathieträger. Für lange Zeit ist er der einzige Freund, LuAnns einziger Beschützer. Obwohl man zunächst nicht viel über ihn erfährt, schließt man diesen bärenstarken Riesen mit dem sanften Gemüt rasch ins Herz und bangt um ihn ebenso wie um LuAnn.

*

Und dann ist da noch der große Verschwörer Jackson, der Meister der Maskierungen. Sein Name erinnert sofort an die Schriftstellerin Shirley Jackson, deren bekanntestes Werk die makabere Kurzgeschichte "Die Lotterie" ist. Ein Zufall? - Sicher nicht. Schließlich treibt auch Baldaccis "Jackson" ein mehr als makaberes Spiel, das allen Verlierern das Leben kostet.

Mit Hilfe von ausgefeiltester Schminkweisen vermag Jackson in beinahe jede Rolle zu schlüpfen. Gleichzeitg verfügt er über sämtliche technischen Finessen, um sich alle Informationen über seine Lotto-Schäfchen zu besorgen, die er benötigt. Jackson ist wie eine Spinne, deren unheilvollem Netz niemand zu entrinnen vermag. Obwohl man zunächst sehr wenig über seine Person erfährt, ahnt man gleich zu Beginn, dass LuAnn es hier mit einem höchst gefährlichen Mann zu tun hat. Verstörend ist vor allem die Kälte und die Gelassenheit, die Jackson bei all seinen Unternehmungen demonstriert. Jeder, der sich ihm in den Weg stellt, wird gnadenlos eliminiert. Dabei hat Jackson sogar seine perverse Freude daran, seine Mordtechniken immer wieder zu perfektionieren und neue Methoden an seinen Opfern zu testen. Dabei bildet LuAnn den mit Abstand härtesten Widerstand, der sich ihm je entgegenstellte; ein Umstand, der ihn trotz der dadurch entstehende Schwierigkeiten fasziniert -und herausfordert ...

Das Katz und Maus-Spiel zwischen LuAnn und Jackson zieht den Leser in seinen Bann. Was hat Jackson mit ihr vor, schafft sie es ihm zu entkommen, was wird aus den Millionen? Diese Fragen lassen einen bis zum gelungenen Schluss des Buches nicht mehr los.

*

Aber auch ein großer Roman wie dieser offenbahrt ein paar kleine Schwächen. Zum Glück ist keine davon so gravierend, dass das Lesevergnügen an irgendeiner Stelle davon gestört würde.

Da ist zum Einen das schnelle Vertrauen, dass LuAnn und Charlie zueinander fassen. LuAnn weiß sehr genau, dass sich hinter Jackson ein äußerst gefährlicher und mächtiger Mann verbirgt. Grund genug, allen seinen Mitarbeiter mit höchster Vorsicht zu begegnen. Bei Charlie jedoch ist sie sich sehr rasch sicher, dass er trotz seiner Arbeit für Jackson ein integer Charakter ist. Der Autor lässt den Leser auch nicht lange grübeln, sondern zeigt ihm schon bald Charlies Gedanken, die ihn tatsächlich als den vertrauensvollen Menschen erweisen, den LuAnn in ihm erkennt.

Meiner Ansicht nach wäre es a) realistischer und b) spannender gewesen, wenn LuAnn und gleichzeitig auch der Leser ein bisschen länger hätten warten müssen, ehe sie mit Sicherheit wissen, ob man Charlie trauen darf. Charlie ist für LuAnn in väterlicher Beschützer, der alles für seine neue Freundin und ihre Tochter Lisa tun würde. Ohne ihn hätte die junge Frau ihre Pläne niemals so durchführen können, schließlich war er ihr einziger Freund und Vertrauter. Für die Story ist es also notwendig, dass Charlie zu den beiden hinzustößt - aber realistisch ist es nicht.

Ein bisschen schade ist auch, dass LuAnn vor allem nach ihrem Gewinn in keinem echten Gewissenskonflikt steckt, ob sie Jacksons Angebot hätte annehmen sollen oder nicht. Sie erfährt nämlich recht bald, dass alle diejenigen, die den Lottogewinn ablehnten, eiskalt umgebracht wurden. Während all der späteren Turbulenzen kann sich LuAnn also nie wirklich vorwerfen, in diese Lage gekommen zu sein - sie hatte schließlich keine Wahl. Eine Ablehnung wäre ihr sicherer Tod gewesen. Zudem entscheidet sich LuAnn aus einer Notsituation heraus für das Angebot, als sie ihren Freund ermordet auffindet - und nicht aus einem Anflug von Habgier. Für den Roman als zusätzliches Spannungspotential wäre allerdings gut gewesen, wenn sie in Zeiten höchster Gefahr daran hätte denken müssen, dass sie auf das Geld hätte verzichten können.

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Unterm Strich aber ist Baldacci mit seinem Roman ein klassischer "Pageturner" gelungen, der sich mühelos in wenigen Tagen verschlingen lässt. "Die Versuchung" bietet Spannung, Action, sympathische Hautpersonen und tödliche Gefahren, versehen mit einem kleinen Schuss Romantik. Der flüssige und wie für Unterhaltungsliteratur typisch einfach gehaltene Stil lässt sich mühelos lesen, die Dialoge geben den Gesprächen die notwendige Lebendigkeit.
Darüberhinaus regt der Inhalt zum Nachdenken an, wenn man sich beim Lesen selber fragt: Wie würde ich entscheiden?


Fazit:

Ein hochspannender Thriller, der von der ersten bis zur letzten Seite fesselt. Sympathische Hauptfiguren, ein genialer Gegenspieler und ein gefährliches Katz-und-Maus-Spiel machen den Roman zu einem wahren Lesevernügen. Wer ein paar Tage gute Unterhaltung sucht, ist mit diesem Roman bestens bedient. Nicht nur für Fans von Grisham und Co, sondern für alle Leseratten eine klare Empfehlung.

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