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Drei Fragen an den
Schriftsteller und Literaturkritiker
Michael Maar

gestellt von Gerald Schnellbach für BookOla.de

Der Schriftsteller und Literaturkritiker Michael Maar, geboren 1960, wurde durch das Buch "Geister und Kunst - Neuigkeiten aus dem Zauberberg" (1996), das mit dem Johann-Heinrich-Merck-Preis ausgezeichnet wurde, bekannt. Im Jahr 2000 erhielt er für seine Arbeit als Literaturkritiker den Lessing-Förderpreis für Kritik. 2004 erschien sein Sachbuch "Warum Nabokov Harry Potter gemocht hätte", mit dem er auf das Harry Potter Phänomen eingeht (mehr über dieses Buch erfahrt am Ende des Interviews). Michael Maar lebt und arbeitet in Berlin.

Hallo Herr Maar, vielen Dank, dass Sie sich Zeit für die Fragen genommen haben.

2004 erschien Ihr Buch "Warum Nabokov Harry Potter gemocht hätte. Was fasziniert Sie an den Harry Potter Büchern, dass Sie sogar ein Sachbuch darüber schreiben?

Michael Maar: An den ersten vier Bänden (der fünfte ist schwächer): Die Eleganz der Komposition, die Fülle der Detailerfindungen, das Raffinement in der Lesertäuschung – weniger die Figuren, obwohl es auch unter denen viele gelungene gibt.

Der Schriftsteller Henning Mankell wandte sich einmal in einem Interview gegen Kritiker, die die Harry Potter Bücher "verreißen". Da sie so oft verkauft werden, könnten sie so schlecht nicht sein. Kritiker, die das Gegenteil behaupten, so Mankell, unterstellen dem Leser damit eine gewisse Inkompetenz. Wie ist Ihre Meinung zu dem Thema?

Michael Maar: Mit Mankells Argument wäre ich vorsichtig. Natürlich muß irgendein wirkkräftiges Aroma in einem Buch sein, das sich millionenfach verkauft. Über seine ästhetische Qualität ist damit aber nicht befunden. Eher ist es so, dass der literarisch wertvolle Bestseller die Ausnahme darstellt. Eine gewisse Arroganz auf seiten der Kritiker mag aber mit sich gebracht haben, dass bei Rowling schon der Welterfolg zu präventivem Degout geführt hat.

J. K. Rowling bricht zur Zeit mit den Harry Potter Büchern alle Rekorde. Stephen King ist mit einer Auflage von über 300 Millionen Büchern einer der meistgelesenen Schriftsteller weltweit. "Der Herr der Ringe" von J. R. R. Tolkien ist längst ein Klassiker. Warum sind Ihrer Meinung nach gerade Bücher aus dem Bereich der "Fantastischen Literatur" zur Zeit so populär?

Michael Maar: Der Fehler der Frage liegt in dem "zur Zeit". Diese Art phantastischer Literatur wird seit ich mich erinnern kann als "zur Zeit" erfolgreich dargestellt, woraufhin Mutmaßungen über das momentan erhöhte Bedürfnis nach der Ausmalung von Gegenwelten zu folgen pflegen. Ich glaube daran nicht.

Wir bedanken uns noch einmal für dieses Kurzinterview und wünschen Ihnen viel Erfolg für alle anstehenden Projekte.

Hier eine Auswahl der Bücher von Michael Maar bei Amazon:

 


Warum Nabokov Harry Potter gemocht hätte


Geister und Kunst


Die Feuerprobe und die Wasserprobe


Das Blaubartzimmer


Die falsche Madeleine


Die Glühbirne der Etrusker

Warum Nabokov
Harry Potter gemocht hätte

 

Rezension von Amazon.de (geschrieben von Roman Bucheli für die "Neue Zürcher Zeitung")

Sollten wir uns je die etwas müßige Frage gestellt haben, ob Nabokov «Harry Potter» gemocht hätte: Michael Maar nennt uns in seinem jüngsten Essayband ein paar gute Gründe, die doch sehr dafür zu sprechen scheinen. Er zählt Gemeinsamkeiten auf: Die «Kunst der Komposition» etwa sei Joanne K. Rowling und Nabokov gleichermaßen eigen, ebenso das Parodistische und Unprüde oder das Magische und Wunderbare, wobei gerade Letzteres bei beiden die Beobachtung der Wirklichkeit geschärft haben soll. Einen weiteren Grund nennt Maar, zwar sei es «ein schlechter», meint er einschränkend, «aber selbst ein Nabokov wäre nicht gegen ihn gefeit»: Es gebe nur zwei Bücher, so zitiert er Joanne K. Rowling, «deren letzte Seite mich zum Weinen bringt, ohne dass ich die vorhergehenden Seiten zu lesen brauche». Eines davon sei «Lolita». Nun gut, wollen wir annehmen, es sei so, und Nabokov hätte sich von solcher Vorliebe einnehmen lassen. Um Nabokov freilich geht es hier nur am Rande. Er ist gleichsam nur Vorwand für den allerdings verführerischen Titel. Michael Maar hat anderes im Sinn. Er will uns mit den kompositorischen Finessen von Joanne K. Rowling bekannt machen; er singt uns das Loblied auf eine Autorin, die ihre Romane wie ein feines Räderwerk konstruiert; er zeigt uns mit dem Eifer des tüftelnden Forschers, dass wir beim Lesen und zumal bei «Harry Potter» immer mehr wissen könnten, wenn wir nur wollten und wachsam genug wären. Und zu diesem Zweck erzählt er uns die Romane – und rennt bei uns weit geöffnete Scheunentore ein. Jedes Kind weiß mittlerweile, dass Joanne K. Rowling kein Motiv einführt, das nicht in ihrem Plan verzeichnet ist und an einer vorbestimmten Stelle wieder zum überraschenden Einsatz gelangt. Wir wissen es – und lassen uns doch immer wieder überraschen. Und sind nicht unglücklich darüber, dass uns manches kompositorische Geheimnis dieser Bücher verborgen bleibt, uns vielleicht auch nur Ahnungsweise dämmert, denn nur so bleibt uns der Zauber erhalten. Es ist ein überflüssiges Buch, gewiss, aber brillant geschrieben, und es bereitet auch intellektuell kein geringes Vergnügen, wenn Michael Maar die Handlung paraphrasiert, wenn man ihm zuschauen kann bei der minuziösen Analyse des Textes, wenn er die hintergründigen Motivverbindungen freilegt und wenn dann also der Konstruktionsplan der Romane sichtbar wird. Man wird es also nicht bedauern müssen, dieses Buch gelesen zu haben. Und sei es bloß darum, weil uns Michael Maar auf den selbst vor Obszönitäten nicht zurückschreckenden Humor von Joanne K. Rowling hinweist. Manches davon bleibt nämlich dem Leser der deutschen Übersetzung – wie wohl auch vielen flüchtigen Lesern des Originals – verborgen. «Can I have a look at Uranus too?», fragt Ron im vierten Band seine Mitschülerin Lavender Brown im Wahrsage-Unterricht – worauf die ganze Klasse – überraschend vielleicht auch für die Schüler, vor allem aber für die deutschen Leser – mit zusätzlichen Hausaufgaben bestraft wird. Doch Ron wird wohl, als er die Frage stellte, an einer heiklen Stelle gestockt und zwischen der ersten und zweiten Silbe von «Uranus» eine kleine Pause gemacht haben, vielleicht bewusst, wozu er imstande wäre, vielleicht aus Ignoranz, was zu ihm passen würde, vielleicht auch nur aus einer unschuldig ahnungsvollen Eingebung heraus, was man ihm zutrauen würde.


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Gerald Schnellbach und Klaus Spangenmacher

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